Dieses eine Lieblingskleid – wir haben es schon seit vielen Jahren, ziehen es immer wieder in unterschiedlichen Kombinationen an, verbinden mit ihm etliche Momente unseres Lebens und erinnern uns noch genau an den Tag, an dem wir es gekauft haben. Irgendwann aber setzt ein schleichender Prozess ein: Unser Stil verändert sich, das Kleid rutscht im Schrank immer weiter nach hinten und plötzlich stellen wir fest, dass es einfach nicht mehr in unser Leben gehört. Es wandert in den Altkleidercontainer um die Ecke.

Eine ähnliche Situation erlebte Alina Delschen in den letzten Jahren, allerdings nicht mit einem austauschbaren Kleidungsstück, sondern mit ihrer Lebensstruktur. Nach 21 Jahren als Bänkerin merkte sie immer mehr, dass das Berufskleid, das sie sich in jungen Jahren ausgesucht hatte, immer weniger zu ihr passte. Alles begann mit einem Yoga-Kurs in der Volkshochschule im Jahr 2011. Erst ging die gebürtige Krefelderin nur einmal in der Woche in den Kurs, schnell aber packte sie die Begeisterung: Der Wunsch wurde größer, tiefer in die Materie einzutauchen. „Mich begeisterte, was ich hier mit meinem Körper und mit meinem Geist erlebte“, erklärte sie. „Ich wollte mehr darüber erfahren.“ Also entschloss Delschen, nebenberuflich eine einjährige Ausbildung zur Yoga-Lehrerin am Institut für Yoga und Gesundheit in Köln zu absolvieren. Nicht etwa mit dem Gedanken, als Yoga-Lehrerin zu arbeiten, sondern ausschließlich, um mehr über die Motive und Hintergründe von zum Beispiel Asanas, Pratyaharas, Krityas und Askese zu erfahren.

 

„Und dann stellte ich erste Veränderungen an mir fest“, erinnert sie sich. „Das fing mit ganz profanen Sachen an. Ich stand auf einmal im Büro und war irritiert, weil sich ständig alle aufregten.“ Delschen selbst dagegen war auf einmal gelassener. Sie ruhte in sich, ließ sich durch das stressige Tagesgeschäft nicht einnehmen und änderte dementsprechend auch den Umgang mit Kollegen. Gleichzeitig veränderte sich ihre Einstellung zu materiellen Werten. Kaufte sich die gutverdienende Teamleiterin all die Jahre liebend gerne Handtaschen und lebte als alleinstehende Frau in einer schicken Wohnung am Krefelder Stadtwald, stellte sie auf einmal die alten Gewohnheiten in Frage. „Das fühlte sich einfach nicht mehr richtig an“, erklärte sie. „Ich merkte, dass ganz andere Dinge im Leben zählen. Als Bänkerin bringt dich so eine Erkenntnis natürlich ins Schleudern.“

 

Während sie ihrer klassischen Yoga-Ausbildung noch weitere Ausbildungen, wie etwa Yin-Yoga, anschloss und einen Abschluss als Ayurveda-Massagetherapeutin absolvierte, wurde der Graben zwischen den zwei Welten immer größer. Die Wochenenden verbrachte sie mit Gleichgesinnten entspannt in Kursen und Weiterbildungen, unter der Woche aber stießen ihre persönlichen Veränderungen in der Bank auf Gegenwind. „Die Fragen wurden für mich irgendwann zu groß“, erinnert sie sich. „Was mache ich hier? Warum bin ich überhaupt in der Bank? Ich wollte das nicht mehr.“ Erst reduzierte Delschen ihre Arbeitszeit. Dann aber, Ende letzten Jahres, entschied sich das Schicksal, ihr einen neuen Weg aufzuzeigen.

„Ich stolperte bei einer Freundin, der Fischelner Immobilienmaklerin Silke Leiber von Knusperhaus Immobilien, auf eine Wohnung im Marienhof in Fischeln“, erklärt sie. „Ich spürte direkt, dass mich die Atmosphäre des sanierten Bunkers begeisterte. Und eigentlich nur aus Spaß schaute ich mir die Wohnung an.“ Bei der Besichtigung der wohnlichen Gewerbeimmobilie aber erlebte Delschen einen magischen Moment: Die Immobilie war perfekt, um hier ein Studio unterzubringen und bot mit ihrem spannenden Grundriss gleichzeitig Platz, um noch einen Raum für Ayurveda-Massagen zu integrieren. Das Schicksal hatte entschieden und Alina Delschens Entschluss war gefallen: Die Immobilie sollte zu ihrem neuen Wirkungskreis werden. Sie gab ihren Job in der Bank auf.

 

Im Juli 2021 eröffnete sie mit „AUSZEIT FÜR DICH“ das besondere Studio im ehemaligen Luftschutzbunker in Fischeln. Delschen bietet hier neben Yoga auch Pilates, ZENbo® Balance, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Meditation, Yoga-Nidra und Mantra-Singen an. Darüber hinaus gibt sie Workshops. „Wer Power-Yoga sucht, ist bei mir an der falschen Adresse“, sagt die 49-Jährige schmunzelnd. „Ich gebe hier nur dem Raum, was selbst zu mir passt. Und das ist alles, was sich mit Meditation und Ganzheitlichkeit beschäftigt.“ Dazu gehören auch die Ayurveda-Massagen: Ob bei Verspannungen, bei alltäglichen Wehwehchen wie Kopfschmerzen oder Rückenproblemen, ob zur Behandlung von Narben oder nur als Auszeit-Moment – durch die tiefenwirksamen Streichungen lockert sich die Muskulatur, das Gewebe wird gestärkt und Entspannung durchdringt den Körper. „Danach fühlst du dich leichter“, verspricht die Ayurveda-Therapeutin.

 

Mit der Eröffnung des Studios hat sich auch die Zielgruppe immer weiter herauskristallisiert. „Schon vorher wusste ich, dass ich eher mit älteren Menschen arbeiten möchte, aber jetzt spüre ich, dass es genau die sind, die hier reinpassen“, erklärt sie. „Ich genieße es, wenn sich die Senioren mittags bei mir zum Yoga treffen, sich anschließend noch zu einem Kaffee verabreden oder ins Gespräch kommen. Das hier ist auch ein Ort der Begegnung.“

 

Wenn Delschen nicht in ihrem eigenen Studio ist, geht sie weiterhin ihrer Leidenschaft der Fortbildung nach. Aktuell macht sie eine Ausbildung zur Ayurveda-Ernährungsberaterin. Außerdem ist sie immer wieder in Bayern, auf Mallorca oder in Österreich unterwegs, um Yogareisen zu begleiten. „Für mich war der Wechsel aus der Bank hin zu meiner eigenen Selbstständigkeit genau der richtige Schritt“, sagt Delschen mit ruhiger Stimme. „Ich weiß, dass ich die Bank gebraucht habe, um diesen Weg zu gehen. Aber jetzt fühle ich mich, als sei ich endlich am Ziel angekommen.“

 

Auszeit für Dich im Marienhof, Alina Delschen, Altmühlenfeld 257, 47807 Krefeld.
Telefon: 0174 987 2033
Weitere Informationen zu Kursen und Massagen unter www.auszeitfuerdichmarienhof.de