Zehn Jahre lang dauerte die Irrfahrt des antiken Helden Odysseus. Die Odyssee von Lydia Seidenfaden währte sogar noch länger. Rücken-, Fuß- und Kopfschmerzen, Spannungsschmerzen im Gesicht und Schwindelgefühle begleiten sie schon seit so vielen Jahrzehnten, dass sie kaum zu sagen vermag, wann die Beschwerden ihren Anfang nahmen. Von den Ärzten, die sie aufsuchte, bekam zwar keine Diagnose, dafür aber aber jede Menge Medikamente. Bis sie eines Tages von CMD hörte, der „Craniomandibulären Dysfunktion“, und im Anschluss bei Dr. Nina Wollenweber landete. Nun steht die 65-Jährige nach langer, langer Reise kurz vor der Ankunft im Heimathafen.

„Zubeißen. Sehr gut. Jetzt so weit wie möglich nach vorn.“ Wollenweber gibt ihrer Patientin klare Anweisungen. Die heutige Untersuchung dient dazu, Feinjustierungen an der Schiene vorzunehmen, die Seidenfaden als Teil der CMD-Therapie trägt. Während die Patientin die Kieferbewegungen ausführt, schiebt Wollenweber ihr abfärbende Folie zwischen die Zähne. Anhand der auf der Schiene zurückbleibenden Farbpunkte erkennt sie, wo unerwünschte Störstellen sind und nimmt dann mit einem kleinen Schleifgerät die nötigen Korrekturen vor. „Als ich mir das Gebiss von Frau Seidenfaden angeschaut habe, war ich schockiert“, berichtet Wollenweber. „Äußerlich schien alles normal, aber bei genauem Hinsehen erkannte ich die extrem abgesunkene Bisslage.“ Der Blick auf ein Modell des Gebisses der 65-Jährigen zeigt: Die hinteren Backenzähne ihres Unterkiefers sind so weit abgenutzt, dass der Kontakt mit dem Oberkiefer erst sehr spät hergestellt wird. Kurz gesagt: Die Patientin muss extrem fest zubeißen, damit sich ihre Backenzähne berühren. „Die Kiefergelenksköpfchen haben sich durchdiese übermäßige Belastung nach oben verlagert und so eine dauerhafte Verspannung der Muskulatur bewirkt, die vielfältige Beschwerden auslöst“, beschreibt Wollenweber die Kausalkette.

Beschwerden, die man unter dem Sammelbegriff „CMD“ zusammenfasst und die durch die Sonderstellung des Kiefers im menschlichen Skelett begünstigt werden: Er ist an zwei parallelen Gelenken aufgehängt und über die Muskulatur unmittelbar mit Nacken, Schultern und Rücken verbunden. So greifen Probleme mit der Kiefermuskulatur irgendwann unweigerlich auf den restlichen Körper über und äußern sich in unterschiedlichsten diffusen Beschwerden. Dass ihre Ursache im Kiefer zu suchen ist, ahnt der Betroffene nicht und auch viele Mediziner tappen oft noch im Dunkeln. Erst seit einigen Jahren rückt CMD verstärkt ins Bewusstsein, wird richtig diagnostiziert und interdisziplinär behandelt. Die Therapie von Lydia Seidenfaden ist etwa Teil eines zusätzlichen Masterstudiums an der Uni Innsbruck, das WollenweberBeschwerden, die man unter dem Sammelbegriff „CMD“ zusammenfasst und die durch die Sonderstellung des Kiefers im menschlichen Skelett begünstigt werden: Er ist an zwei parallelen Gelenken aufgehängt und über die Muskulatur unmittelbar mit Nacken, Schultern und Rücken verbunden. So greifen Probleme mit der Kiefermuskulatur irgendwann unweigerlich auf den restlichen Körper über und äußern sich in unterschiedlichsten diffusen Beschwerden. Dass ihre Ursache im Kiefer zu suchen ist, ahnt der Betroffene nicht und auch viele Mediziner tappen oft noch im Dunkeln. Erst seit einigen Jahren rückt CMD verstärkt ins Bewusstsein, wird richtig diagnostiziert und interdisziplinär behandelt. Die Therapie von Lydia Seidenfaden ist etwa Teil eines zusätzlichen Masterstudiums an der Uni Innsbruck, das Wollenweber derzeit absolviert: Nach Abschluss darf sie sich als einer von 150 Zahnärzten in Deutschland als „Spezialistin für Funktionsdiagnostik und -therapie“ bezeichnen.

„Ich konnte es gar nicht fassen, als mich Dr. Wollenweber beim ersten Termin fragte, ob ich häufig ein Kribbeln in den Händen verspüre. Nach so vielen Jahren war da endlich jemand, der meine Probleme einzuordnen wusste“, erinnert sich die sympathische Krefelderin an jenen Tag zu Beginn des Jahres. Für sie ist heute, im September 2020, endlich ein Ende ihrer Beschwerden in Sicht. Die Therapie besteht in einer Anhebung der Bisslage um sechs Millimeter. Das geschieht im ersten Schritt mithilfe einer sogenannten COPA-Schiene („COPA“ steht für „cranio-okklusaler Positionierungsaufbiss“): Die transparente, herausnehmbare Kunststoffschiene liegt auf den Backenzähnen auf und sorgt dafür, dass diese beim Zubeißen früher in Kontakt mit dem Oberkiefer treten. „Die Therapie mit der COPA-Schiene dauert circa drei bis sechs Monate. In dieser Zeit geht es vor allem darum, die Muskulatur der Kiefergelenke an die neue Bisslage zu gewöhnen – und natürlich zu prüfen, ob sich die gewünschte Besserung einstellt“, erklärt Wollenweber. „Da die Schiene beim Essen herausgenommen wird und der Patient beim Kauen zwangsläufig wieder in alte Kaumuster zurückfällt, stellt sich der angestrebte dauerhafte Effekt aber erst im nächsten Schritt ein.“ Dann nämlich, wenn die herausnehmbare COPA-Schiene den COPAs weicht, aufgeklebten Kunststoffkronen, die der Patient nun für sechs bis acht Wochen rund um die Uhr trägt – auch beim Essen, wenn die Bisslage wirklich entscheidend ist. Diese Phase steht für Seidenfaden nun unmittelbar bevor. Parallel besucht sie regelmäßig einen Physiotherapeuten, der die Therapie mit Lockerungs- und Bewegungsübungen für die Kiefermuskulatur unterstützt. Erst wenn sich auch die COPAs bewährt haben, wird die optimierte Bisslage mit dem Einsatz fester Kronen und Veneers fixiert und die Behandlung beendet.

Die Geschichte von Odysseus endete nach unzähligen gefährlichen Abenteuern mit seiner Ankunft in Ithaka. Es ist Lydia Seidenfaden zu wünschen, dass ihre eigene mit dem Ende ihrer persönlichen Odyssee noch einmal ganz neu beginnt. Eine Geschichte ohne Schmerzen, ohne Schwindel, ohne Verspannungen und Ungewissheit. Und könnte es einen besseren Zeitpunkt für einen Neuanfang geben als kurz vor dem 66. Geburtstag?

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