Mein Herz pocht bis zum Kinn und mein Atem geht schnell. „Ich kann nicht mehr“ , sage ich mit zittriger Stimme und ein Schweißtropfen läuft mir über die Nase. „Doch, du kannst noch“ , bestärkt mich Greg und klatscht in die Hände. „Glaub mir, dein Körper kann viel mehr als dein Kopf dir sagt, du musst deinen Kopf überwinden. Das lernst du hier bei uns.“

Vor fast genau einem Jahr hat der Krefelder Gregor „Greg“ Bystron über das Internet nach Trainingspartnern gesucht, entstanden ist eine Gruppe mit rund 600 Mitgliedern, die sich online zum Sport verabredet und an Krefelder Plätzen, wie dem Bewegungspark im Stadtwald, am Sportplatz am Füttingsweg oder am Sprödentalplatz trifft, um gemeinsam Freeletics zu praktizieren.  „Freeletics heißt, dass wir unter freiem Himmel trainieren und dabei Ausdauerübungen mit Eigengewichtsübungen verbinden“ , erklärt Mitglied der ersten Stunde, Dennis Budarick. „Die Workouts stärken Schnelligkeit, Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer. Zu Beginn sind die Trainingseinheiten wirklich hart, aber die Ergebnisse dafür umso schneller sichtbar.“ 

Die „KRletics“ , wie sich der Krefelder Zusammenschluss von ambitionierten Sportlern nennt, orientieren sich dabei an der App „Freeletics“, die 2012 die Münchener Andrej Matijczak, Joshua Cornelius und Mehmet Yilmaz in Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftlern und Personal Trainern entwickelt haben. Ziel war es, Training ohne jegliche Hilfsmittel an jedem Ort der Welt praktizieren zu können, dafür steht das „Free“ im Namen. Inzwischen haben sich über drei Millionen Menschen, vor allem in Frankreich und Deutschland, dem Konzept der Münchener angeschlossen und treffen sich in Parks, auf Grünflächen oder Sportplätzen zum gemeinsamen trainieren. In der Facebookgruppe „Freeletics Krefeld“ erstellen die Mitglieder Umfragen, in denen sie über ihre Treffen informieren und an denen dann jeder per Mausklick zusagen kann. „Eigentlich gibt es inzwischen immer mindestens zwei Optionen am Tag“ , erklärt Mitglied Ilana Lundström. „Bei so vielen Gruppenmitgliedern gibt es immer welche, die Zeit haben und diese mit Freeletics nutzen möchten.“ Fast täglich stoßen neue Mitglieder dazu, viele locken die Transformationsvideos und -Bilder, die im Internet in der Suchmaschine ganz oben angezeigt werden. So war es auch bei Dennis Budarick, erzählt der 30-Jährige: „Inzwischen habe ich durch Freeletics über neun Kilogramm Körperfett verloren und Muskeln aufgebaut, so geht es vielen bei uns.“ „Die Motivation, mit Freeletics zu beginnen, kann dabei ganz unterschiedlich sein“ , ergänzt Bystron. „Körperfett abzubauen, ist die eine Motivation, wir haben aber auch viele Mitglieder, die vorher untergewichtig waren und durch den Muskelaufbau nun endlich ein normales Körperbild zeigen können.“ Wer zum ersten Mal dabei ist, wird von der Gruppe herzlich willkommen geheißen, neben dem Gründer Greg gibt es inzwischen einige Sportler, die sich als Anleiter engagieren. „Dennoch, bei Greg laufen die Strippen zusammen“ , sagt Lundström und lacht. „Er ist so etwas wie der Gruppenpapa, passt auf, dass alle ihre Übungen richtig ausführen und bemüht sich gleichzeitig um die sozialen Strukturen in der Gruppe.“ Auch ich laufe bei ihm als Neuling auf. „Wenn du dir die App runtergeladen hast, dann kannst du mit ihr zuerst deinen Fitnessstand testen“ , erklärt er. „Die App bestimmt dann dein Workout und entscheidet, in welcher Stärke du dieses durchführst.“ Drei unterschiedliche Stärkestufen gibt es, für mich sucht der Coach das Einsteigerworkout „Metis“ in einer abgewandelten leichten Stufe aus. In Erklärungsvideos zeigt mir die App nun, wie ich die drei Übungen auszuführen habe. „In den Medien wird das freie Training immer wieder kritisiert und auch ich empfehle, gerade wenn du Sportneuling bist, zu unseren Treffen zu kommen“ , sagt Gruppenmitglied Dennis Budarick. 

„Die Videos zeigen dir ganz genau, wie du die Übungen ausführen musst, aber nicht jeder schafft es, diese ganz genau nachzumachen. Hier in der Gruppe korrigieren die alten Hasen die anderen, damit sich niemand falsche Bewegungen aneignet, die dem Körper dann nicht gut tun.“ Auch ich werde bei den ersten Übungen gleich korrigiert. Bei den „Sprawls“ komme ich aus dem geraden Stand in eine Liegestützposition. Anschließend bringe ich die Beine wieder unter den Oberkörper und springe, während sich die Hände hinter dem Kopf berühren, mit geradem Körper in die Luft. „Achte darauf, dass du deine Füße gleichzeitig nach vorne bringst“ , korrigiert mich Greg. „Deine Schultern, deine Hüfte und deine Fersen bilden eine Linie.“ Nach zehn Wiederholungen sind die „Mountain Climbers“ dran, wieder in Liegestützposition ziehe ich abwechselnd das eine und dann das andere Bein unter den Oberkörper, so, als wolle ich einen Berg erklimmen. Nach zehn Wiederholungen folgen dann die „High Knees“ , ich ziehe meine Beine abwechselnd im Stand über die Hüfte. Nach drei Runden – die zweite statt mit zehn Wiederholungen mit 25 – ist „Metis“ geschafft und ich bin erschöpft. Hätte ich das Workout zuhause gemacht, hätte ich wohl schon nach der ersten Runde aufgegeben. „Und genau das ist es, was das gemeinsame Sporttreiben auszeichnet“ , sagt Budarick. „Du treibst dich gegenseitig an und entwickelst eine Gruppendynamik, du verdeutlichst dir immer wieder den Leitsatz von Freeletics: No excuses, keine Ausreden. Wir alle ziehen durch und achten darauf, dass es unser Nebenmann auch tut.“ 

Dass die soziale Komponente dabei inzwischen fast genauso wichtig geworden ist wie die tägliche Fitness, wird bei der Verabschiedung der Gruppe deutlich: Nachdem die 40 Sportler in Kleingruppen ihre Workouts durchgezogen haben, stellen sie sich in einen Kreis. Bei dem Lied „Bring Sally up, bring Sally down“ wird sich noch einmal gegenseitig angespornt, in „Squats“ , Kniebeugen, und in Liegestützen den Allerwertesten oder den Oberkörper nach oben und nach unten zu bringen. Im Team schaffe auch ich mehr als ich mir vorab zugetraut hätte. „Und wenn das Training vorbei ist, dann treffen wir uns zum Partyletics, zum Chillletics oder zum Grillletics“ , sagt Greg und lacht. „Mit Freunden Sport zu treiben, macht den Sport nämlich dann noch einmal viel einfacher.“ 

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